Elektroauto als Occasion: auf die Batterie kommt es an

Bei einem gebrauchten Elektroauto entscheidet die Batterie über Reichweite und Wert. So prüfen Sie ihren Zustand und darauf achten Sie beim Laden und im Winter.

Lesezeit rund drei MinutenStand 04.10.2026

Elektroautos haben weniger Verschleissteile als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor: kein Ölwechsel, kein Zahnriemen und dank Rekuperation weniger Bremsverschleiss. Das teuerste Bauteil ist die Batterie. Ihr Zustand verdient deshalb die meiste Aufmerksamkeit.

Batteriezustand und SOH

Jede Batterie verliert mit der Zeit etwas Kapazität. Wie viel, hängt von Alter, Kilometern, Klima und Ladeverhalten ab. Meist ist der Rückgang in den ersten Jahren etwas stärker und verläuft danach flacher. Der Fachbegriff dafür ist State of Health, kurz SOH: die nutzbare Kapazität im Vergleich zum Neuzustand, in Prozent.

Verlassen Sie sich nicht allein auf die Reichweitenanzeige. Sie rechnet mit dem Fahrstil der letzten Fahrten und sagt wenig über die Batterie aus. Verlässlicher ist ein Batteriezertifikat: Eine Markengarage oder ein unabhängiger Prüfdienst liest die Werte über die Diagnoseschnittstelle aus und bestätigt den SOH schriftlich. Als grobe Orientierung:

  • über 90 %: sehr guter Zustand
  • 80 bis 90 %: üblich für Fahrzeuge mit einigen Jahren und Kilometern
  • unter 80 %: spürbar weniger Reichweite, Preis und Garantie genau prüfen

Fragen Sie auch, wie das Fahrzeug geladen wurde. Häufiges Schnellladen und lange Standzeiten mit voller oder fast leerer Batterie können die Alterung beschleunigen. Nachweisen lässt sich das selten, das Zertifikat zeigt aber das Ergebnis.

Garantie auf die Batterie

Viele Hersteller geben auf die Antriebsbatterie eine eigene Garantie, häufig acht Jahre oder 160'000 km. Sie sichert meist eine Mindestkapazität von rund 70 Prozent zu. Die Garantie ist in der Regel an das Fahrzeug gebunden und geht auf neue Halterinnen und Halter über.

Prüfen Sie im Garantieheft oder bei der Markengarage, bis wann die Garantie läuft, welche Kapazität sie zusichert und ob regelmässige Servicearbeiten Voraussetzung sind. Ein Fahrzeug mit vier Jahren Restgarantie auf der Batterie ist mehr wert als eines, dessen Garantie bald endet.

Laden zuhause

Am günstigsten und bequemsten laden Sie zuhause oder am Arbeitsplatz. Eine normale Haushaltsteckdose eignet sich nur gelegentlich: Sie lädt langsam, und ältere Installationen sind für stundenlange Dauerlast oft nicht ausgelegt.

Besser ist eine Wallbox, meist mit 11 kW. Lassen Sie sie von einer Elektrofachperson mit Installationsbewilligung montieren, die auch die Meldung an den Netzbetreiber übernimmt. In Mietwohnungen und im Stockwerkeigentum braucht es vorher die Zustimmung der Vermieterin oder der Eigentümergemeinschaft.

Achten Sie beim Fahrzeug auf diese Punkte:

  • Ladeleistung: Wie viel kW nimmt das Fahrzeug an Wechselstrom (AC) und an Schnellladern (DC) auf?
  • Anschluss: Üblich sind Typ 2 für AC und CCS für DC. Einige ältere Modelle nutzen den weniger verbreiteten Anschluss CHAdeMO.
  • Ladekabel: Gehören ein Typ-2-Kabel und ein mobiles Ladegerät zum Kauf?

Zuhause kostet eine Kilowattstunde je nach Gemeinde und Tarif rund 25 bis 35 Rappen, an Schnellladestationen oft das Doppelte oder mehr.

Reichweite im Winter

Kälte senkt die Reichweite spürbar. Die Batterie arbeitet bei tiefen Temperaturen weniger effizient, und die Heizung braucht zusätzlich Energie. Rechnen Sie im Winter mit rund einem Fünftel bis einem Drittel weniger Reichweite als im Sommer, auf kurzen Strecken mit kaltem Start eher mit mehr.

Eine Wärmepumpe verringert den Verlust deutlich. Prüfen Sie in der Ausstattungsliste, ob das Fahrzeug eine hat. Hilfreich ist auch die Vorklimatisierung: Sie heizen Innenraum und Batterie vor, solange das Fahrzeug noch am Kabel hängt.

Vergleichen Sie die Normreichweite nach WLTP nicht direkt mit Ihren Strecken. Für Autobahnfahrten im Winter sind oft nur 60 bis 70 Prozent davon realistisch.

Probefahrt und Kosten

  • Fahren Sie mit bekanntem Ladestand los und beobachten Sie, wie sich die Anzeige auf einer bekannten Strecke verändert.
  • Testen Sie wenn möglich eine Ladung an einem Schnelllader bei mittlerem Ladestand. Bleibt die Ladeleistung deutlich unter der Angabe des Herstellers, fragen Sie nach.
  • Prüfen Sie Heizung, Klimaanlage und, falls vorhanden, die Wärmepumpe.
  • Achten Sie auf die Reifen: Elektroautos sind schwer und nutzen Reifen oft schneller ab.

Einige Kantone gewähren für Elektroautos tiefere Motorfahrzeugsteuern, andere haben diese Rabatte reduziert. Das Strassenverkehrsamt Ihres Kantons gibt Auskunft. Worauf Sie bei der Versicherung achten, steht im Ratgeber Versicherung.

Vor dem Kauf klären

  • Batteriezertifikat mit SOH, nicht älter als einige Wochen
  • Restlaufzeit und Bedingungen der Batteriegarantie
  • Ladeleistung AC und DC, Anschluss und Ladekabel
  • Wärmepumpe vorhanden
  • Lademöglichkeit zuhause oder am Arbeitsplatz

Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ist keine Rechtsberatung. Massgebend sind die Gesetze und die Vorgaben des Strassenverkehrsamts in Ihrem Kanton. Bei einem konkreten Fall wenden Sie sich an eine Fachperson. Stand: 04.10.2026.

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